Die Schlossruine Hartenstein (H 8)

Das am 20. April 1945 durch amerikanische Bomben zerstörte Schloss Hartenstein war bis dato ein alter Herrschaftssitz. Seit einem halben Jahrtausend gebot hier das Haus Schönburg, dem die alte Burg mit ihrer weitausgedehnten „Grafschaft" gehörte, die sich von den Ufern des Mülsenbaches bis hinauf zum Fichtelberge erstreckte. Hier walteten sie: die Herren, die Grafen, die Fürsten. Als die Schönburger 1406 Hartenstein als Pfand erwarben - ein eigentlicher Verkauf fand nicht statt weil des Verpfänders Sohn, Burggraf Heinrich II. von Meißen, der Letzte seines Hauses, in der Hussitenschlacht bei Außig (1426) fiel -‚ war das ganze Gebiet noch Reichslehn. Es war Reichsafterlehn, nachdem es den sächsischen Kurfürsten 1439 überwiesen worden war. Der Pfanderwerber war Veit I. von Schönburg. Sein Urenkel Ernst II. (gestorben 1534), der Ahn aller Fürsten und Grafen von Schönburg, vererbte Hartenstein seinem dritten Sohne Hugo I. (gestorben 1566), dem Stifter der sogenannten oberen Linie, dieser wiederum seinem Sohne Hugo II. (gestorben 1606). So kam es mit verschiedenen anderen Besitzungen schließlich, an den 1700 zum Reichsgrafen erhobenen Otto Ludwig (gestorben 1701), der vier Söhne hatte. Jedem hatte er eine Herrschaft ausgesetzt. So empfing sein Ältester, Graf Georg Albrecht (1716), die Herrschaft Hartenstein. Das war die niederwäldische Grafschaft gleichen Namens, aber vermindert um die Herrschaft Stein, die einer seiner Brüder erhielt. Die oberwäldische Grafschaft hatte Kurfürst August mit seiner bekannten Zähigkeit 1559 den damals noch unmündigen Söhnen des oben erwähnten Ernst II. abgerungen. Sie umfasste die Städte Elterlein, Scheibenberg. Ober- und Unterwiesenthal nebst etlichen Dörfern wie Crottendorf, Oberscheibe, Neudorf und Dörfel. Die Grafschaft Hartenstein ging dann an Otto Ludwigs Enkel, den Grafen Friedrich Albert (gestorben 1786). von dem sie an den Sohn seines Steiner Vetters, den 1790 in den Rcichsfürstenstand er- hobenen Otto Karl Friedrich (1800), überging. Er hinterließ Hartenstein seinem zweiten Sohne Friedrich Alfred (gestorben 1840), dessen jüngerer Bruder Heinrich Eduard (gestorben 1872), der Gründer der fürstlichen Linie Schönburg-Hartenstein geworden ist. Der letzte Fürst, Alexander von Schönburg-Hartenstein, verließ 1945 sein durch amerikanische Bomben zerstörtes Schloss Hartenstein und siedelte mit seiner Familie nach Wien über. Der erste Schönburger, der die Burg Hartenstein pfandweise über- nahm, Veit I., ließ sie auch umbauen. Auf einer bewaldeten Anhöhe - daher der Name Hartenstein, der mit der Harth, dem weitausgedehnten Bergwalde zusammenhängen kann - thronte die alte Burg, deren Standpunkt äußerst glücklich gewählt war. Weithin blickte sie über die Lande und gewährte ihren Herren den denkbar größten Überblick über das von ihnen beherrschte Gebiet.

Der Gründer der Burg Hartenstein, deren Erbauung um 1150 oder etwas später angenommen werden mag, war ein Osterländischer Edler namens Meinher, der sich nach der Feste Burgwerben bei Weißenfels nannte, wo er im Dienste der Askanier das Amt eines Burggrafen (Praefectus) bekleidete. Wir begegnen ihm 1173 in unserer Gegend als dem Mitstifter von Klösterlein Zelle. Damals stand also Hartenstein schon. Die Grafschaft allerdings wird etwas späteren Ursprung sein.

Es wird angenommen, dass es Meinhers Sohn ist, der zum Beispiel im Jahre 1197 als Graf urkundlich auftritt. Damals war es noch nicht üblich, in den Urkunden die Gegend zu benennen, nach der sich der betreffende Graf bezeichnete, aber wir gehen wohl keineswegs fehl, wenn wir beim Grafen Meinher v. Werben dafür die Hartensteiner Pflege mit ihrem riesigen erzgebirgischen Waldbann ins Auge fassen. Der Schutzheilige der Familie war, wie man damals sagte, der Zwölfbote Andreas, darum war ihm neben der heiligen Dreifaltigkeit jenes Klösterlein Aue gegenüber geweiht, darum führte sie sein Kreuz, an dem ihn die Legende in besonderer Weise den Märtyrertod erleiden lässt, in ihrem Schilde. Das wurde auch das Zeichen ihrer erzgebirgischen Grafschaft, und so führten es auch deren Städte Lößnitz als die Hauptstadt, Elterlein und als jüngste Hartenstein. Die Feste Hartenstein erhob sich auf reichslehnbaren, Boden. Die Verwaltung der Pflege Hartenstein führte für die oft abwesenden Burggrafen von Meißen - diese Würde hatte Graf Meinher um 1200 von seinem Gönner, dem König Philipp, erhalten - ein burggräflicher Vogt, gewöhnlich ein ritterbürtiger Mann.

Bedeutsam war es auch, dass an Hartenstein, der gräflichen Residenz, die wichtigste Straße über Lößnitz und Elterlein nach Böhmen führte. Hier hatte der Vogt das Geleit zu sichern. Diese Aufgabe fiel neben der Bewachung der Burg den Burglehnern, burggräflichen Vasallen, zu. In der Blütezeit der Burg zählen wir ihrer vier, die wohl zu zwei und zwei abwechselnd ihren Dienst taten. Zu ihnen gehören vielleicht auch der Wildenfelser Burgherr, der in diesem Dienste sich sicher vertreten ließ: denn wenn in dem ältesten Lehnbriefe der Herrschaft Wildenfels vom Jahre 1464 sich unter anderem auch 34 Groschen Jahreszins in, Städtlein Hartenstein sowie eine Wiese und ein Wald zwischen Grünhain und Lößnitz aufgezeichnet finden, so ist dies vielleicht die Ausstattung eines Hartensteiner Burglehns, das die Herren von Wildenfels übernahmen. Jedenfalls nannte sich einer der Burglehner auch nach der Burg, deren Hut er im Auftrage seines gräflichen Lehnsherren zu führen hatte. In einer sehr ver-
blichenen Urkunde vom 3. Februar 1296 erscheint ein Gebhard (Gerhard) v. Hartenstein, der Güter im Altenburgischen hatte. Die übrigen Burgmannen entstammen entweder der nächsten Umgebung wie Oelsnitz im Erzgeb., Ortmannsdorf und Reinsdorf oder der Lommatzscher Pflege. Von der festen Burg, die ihnen einen sicheren Zufluchtsort bot, verübten sie ihre Gewalttaten. Häufige Streifen machten sie zum Beispiel 1320 zu einer Last für die weitere Umgebung. Der Pfarrer von Neumark und seine Kirchspielgenossen wussten davon ein Liedlein zu singen. Es war damals etwas Gewöhnliches und galt nach den Moralbegriffen der Feudalherren als kein Frevel. Mit der Fehde, die eben nur regelrecht angesagt werden musste, war ja auch die „Nahme", das Wegnehmen und Plündern, verbunden. Wo war hier eine scharfe Linie zwischen ihr und der offenkundigen Räuberei zu ziehen? Wer wollte bei verwirrten öffentlichen Verhältnissen zwischen Hinterhalt und Wegelagerei so scharf trennen?

Rauben und reiten ist keine Schande - Das treiben die Besten im Lande!"

So hieß es damals sehr bezeichnend. Es war eben unsere Gegend ein Schlupfwinkel für fehdelustige und raubgierige Ritter. Aber in der Hauptsache blieb Hartenstein Residenz, zumal seit die Schönburger hier geboten. Bei ihnen fanden auch 1455 die befreiten Kurfürstensöhne Ernst und Albrecht, die Ritter Kunz von Kaufungen entführt hatte, ihr erstes Nachtlager nach der geglückten Errettung. Zur niederwäldischen Grafschaft um die Burg herum gehörten außer der Stadt Lößnitz die Dörfer Beutha, Thierfeld, Wildbach und Langenbach, weiter Mülsen St. Niklas und St. Jakob, endlich Vielau, Haßlau und Schönau.

Die Verbindung zwischen diesen Streustücken stellte die Herrschaft Wildenfels her, deren Lehnsherren die Hartensteiner Grafen waren. Die nieder- und oberwäldische Grafschaft aber ward durch das Gebiet der Abtei Grünhain getrennt, das in seiner überwiegenden Hauptmasse auf Schenkungen der Meißner Burggrafen beruhte. Vermutlich fand Meinher III. in der dortigen Klosterkirche als der einzige seines Hauses sein Begräbnis.

In der Ruine des Schlosses haben sich aufbaufreudige Hartensteiner Laienspieler 1956 eine Freilichtbühne errichtet.
Dort fandin seit dieser Zeit jährlich Festspielwochen statt. Unter anderen Stücken wurde das historische Spiel „Der Prinzenraub" am erfolgreichsten aufgeführt.

Bei der Enteignung des ehemaligen fürstlichen Besitzes durch die demokratische Bodenreform 1945 wurden 120 Hektar Land und 1300 Hektar Wald volkseigen.

Die noch erhaltengebliebenen Gebäude des äußeren Schlosshofes wurden zu Wohnungen ausgebaut, und das Rittergutsland teilten sich nach der Bodenreform drei Neubauern, die im Laufe der Zeit eine erfolgreiche LPG gründeten.